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Neue Therapien der Schlafapnoe

Manchmal ist Schnarchen ein Signal für Schlaf-Apnoe. Betroffene behandeln ihre Atemausetzer meist mit einer Überdruckmaske, doch jetzt gibt es Alternativen

 

Neue Therapien der Schlafapnoe

Manchmal ist Schnarchen ein Signal für Schlaf-Apnoe. Betroffene behandeln ihre Atemausetzer meist mit einer Überdruckmaske, doch jetzt gibt es Alternativen

von Silke Droll, 08.01.2019

 

 

 

 

Stille Nächte? Träum weiter...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn andere den Ausschaltknopf ihrer Fernbedienung drücken und ins Bett gehen, knipst Monika P. (49) ihre an. Nicht für den Fern­seher. Die Münchnerin bringt damit ihren implantierten Zungenschrittmacher zum Laufen. In ihrem Mund kribbelt es dann etwas. "Ein komisches Gefühl", sagt sie – aber ein gutes. Denn es bedeutet, dass Monika P. eine erholsame Nacht bevorsteht.

Elektrische Impulse verlagern ihre Zunge und den Weichgaumen bei jedem Einatmen nach vorne und öffnen damit den Rachen. So bekommt Monika auch beim Schlafen genug Luft. Ohne Unterstützung würde die ­Zunge nach hinten fallen und den Rachen komplett verschließen – im Schnitt 44-mal pro Stunde. Eine riesige Belastung für den Körper. Monika hat schwere obstruktive Schlaf-Apnoe (OSA) und ist sehr froh über die moderne Therapie. "Endlich fühle ich mich wieder fit am Morgen und habe keinen Stress mehr mit der Maske."

Immer Ärger mit der Maske

Damit spielt Monika an auf die Standard-Therapie der Schlaf-­Apnoe – einer Erkrankung, die oft mit lautem Schnarchen einhergeht. Laut einer US-Querschnittsstudie sind 13 Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen betroffen. Um Atemstillständen vorzubeugen, gehen die meisten Patienten mit Maske und einem damit verbundenen Beatmungsgerät ins Bett. Mit Überdruck ­hineingeblasene Luft hält den Atemweg offen. Das bringt vielen ihre Lebensqualität zurück.

 

 

 

 

 

Doch manche Betroffene kommen mit der CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) nicht zurecht. Studien zeigen: Nach zwei Jahren nutzen noch 50 bis 70 Prozent die Methode. Der Rest japst nachts wieder nach Luft und wacht gerädert auf. Unbehandelte ­Patienten kommen nicht in die Gänge, können sich schlecht konzentrieren, nicken einfach mal ein. Wenn sie etwa Auto fahren, bedeutet das ein enormes Risiko.

Alternative Zungenschrittmacher

Für sie gibt es nun eine Alternative zur üblichen Therapie mit Beatmungsmaske: einen Zungenschrittmacher, den sich mittelschwer bis schwer Betroffene in einer OP einsetzen lassen können. Inzwischen führen 35 Kliniken in Deutschland den Eingriff durch. Die meiste Erfahrung hat das Klinikum Rechts der Isar in München, wo bereits 120 Patienten versorgt wurden. "Wir haben eine Warteliste", sagt Hals-Nasen-Ohren-Arzt Clemens Heiser, der das Schlaflabor dort leitet.

Einige Interessenten muss er aber enttäuschen. Es kommt darauf an, auf welche Weise sich der Atemweg verschließt. Um das herauszufinden, versetzt er Patienten in einen Narkoseschlaf und untersucht ihren Rachen genau. "Da zeigt sich bei vielen, dass diese OP für sie nicht geeignet ist", berichtet Heiser. Ein weiteres Ausschlusskriterium ist starkes Über­gewicht (BMI über 35). Zahlreiche Patienten sind sehr dick, Fett im Rachenbereich kann den Atemweg weiter verengen. Der erste Rat der Ärzte lautet dann: abnehmen.

 

 

 

 

 

Streichholzschachtel im Schlüsselbein

Auch Monika P. kämpft mit überschüssigen Pfunden; für die Zungenschrittmacher-OP war ihr Gewicht aber in Ordnung. Heiser setzte ihr einen Pulsgenerator, so groß wie eine Streichholzschachtel, unterhalb des Schlüsselbeins ein. Damit verbunden sind eine Stimulations-Elek­trode am Unterzungennerv und ein Atemsensor zwischen den Rippen. Etwa vier Wochen nach dem Eingriff, als die Wunden verheilt waren, konnte Monika ihren Schrittmacher erstmals einschalten. Der Sensor erkennt während des Schlafens, wann sie einatmet, die Elektrode gibt daraufhin kurze Impulse an die Zunge ab.

Für die Behandlung schwerer Schlaf-Apnoe gibt es auch OP-Methoden, die schon länger eta­bliert sind. Die Straffung des Weichgaumens zum Beispiel, die Entfernung der Rachenmandeln oder eine Verschiebung des Kiefers. Im Gegensatz zur Schrittmacher-Methode verändert der Chirurg dabei aber die Anatomie von Kiefer oder Rachen. In der Folge kann es zu Problemen kommen, etwa beim Schlucken, Sprechen oder an den Zähnen. Heiser: "Der Bereich ist sehr sensibel. Es bedeutet einen großen Vorteil, wenn die Anatomie nicht beeinflusst wird."

Unannehmlichkeiten durch den Schrittmacher

Doch auch die Schrittmacher-OP kann unerwünschte Effekte mit sich bringen, wie etwa Schmerzen und Taubheit rund um das Gerät oder die Elektroden. Für den Batterietausch ist ein weiterer kleiner Eingriff nötig. Außerdem sind nicht mehr alle MRT-Untersuchungen damit möglich, wobei sich dies bald ändern soll. Zudem ist noch nicht klar, wie sich das Verfahren, das erst seit wenigen Jahren angewendet wird, auf Dauer bewährt, gibt Winfried Randerath zu bedenken, Vorsitzender der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Schlafmedizin.

Die Zahl von Monika P.'s Atemaussetzern hat sich dank Schrittmacher halbiert. Die Maske hätte das auch geschafft – und das ohne OP-Risiko. Doch Monika riss sie sich im Schlaf oft unbewusst vom Gesicht. Zudem sorgte sie sich wegen der Hygiene, besonders auf Reisen, wenn sie den Schlauch nicht täglich mit heißem Wasser reinigen konnte. "Ich hatte immer Angst, dass sich darin Schimmel bildet und ich den einatmen könnte."

Masken wurden immer besser

Als ihr das Gummiband der Maske riss, verzweifelte sie an der Hotline der zustän­digen Firma. Erst war tagelang niemand zu er­reichen, dann wurde eine Ersatzmaske geschickt, die nicht zum Gerät passte. Solche Probleme gibt es häufig.

 

 

 

 

 

Zwar wurde die bereits in den 80er-Jahren eingeführte CPAP-Therapie laufend optimiert: Angenehmere Materialien vermitteln ein besseres Tragegefühl, die Geräte sind heute handlich klein und laufen so gut wie lautlos. Doch in diesen Genuss kommen viele Betroffene nicht. "Denn viele Kassen sparen immer mehr auf Kosten der Patienten", berichtet Werner Waldmann, Vorsitzender des Bundesverbands Schlaf-Apnoe und Schlafstörungen. Betroffene erhalten häufig nicht das vorab im Schlaflabor ausgetestete und vom Arzt verordnete Modell. "Hier agieren viele Kassen in einem rechtlich umstrittenen Bereich", sagt Schlafmediziner Randerath.

Schlechte Versorgung bei Billiganbietern

Bei den Ausschreibungen der Kassen kommen oft die billigsten Anbieter zum Zug, doch diese schaffen ihre niedrigen Preise nur, indem sie extrem bei Service und Beratung sparen und nur eine geringe Auswahl sehr ein­facher Masken vorhalten. Zum Teil arbeiten sie auch mit alten, gebrauchten Geräten, berichtet Patientenvertreter Waldmann.

"Bei den Ausgaben für die CPAP-Therapie liegen wir in Deutschland im Schnitt bei weniger als 100 Euro pro Jahr für Maske, Gerät und Service", erklärt Randerath. In Frankreich werde dafür ein Vielfaches investiert. Auch innerhalb Deutschlands sind die Unterschiede in der Versorgungsqualität riesig. Denn es gibt auch löbliche Ausnahmen, sagt Patientenvertreter Waldmann.

 

 

 

 

 

 

Doch die Gesundheitsfolgen unbehandelter Schlaf-Apnoe scheinen viele Kassen kaum zu kümmern. Der ständige Sauerstoffmangel im Blut bedeutet chronischen Stress für die Gefäße und das Herz. "Diese Erkrankung ist einer der größten Risikofaktoren überhaupt für Herzinfarkt und Schlaganfall", erläutert Heiser.

Immerhin übernehmen die Kassen eventuell künftig eine andere Therapie, die die Patienten bislang selbst bezahlen. Wer weniger als 30 Atemaussetzer pro Stunde hat, kann eine Zahnschiene verwenden, die den Kiefer leicht nach vorne schiebt und damit den Atemweg offen hält. Heiser: "Sie sollte von einem schlafmedizinisch ausgebildeten Zahnarzt angepasst werden." Preis: 800 bis 1500 Euro. Derzeit wird geprüft, ob daraus eine Kassenleistung wird. Die guten Studienergebnisse zur Wirksamkeit sprechen dafür.

Das Schnarchen bleibt

Egal, wie behandelt wird: Zunächst muss man die Erkrankung erkennen. Bei Frauen wird das Problem manchmal falsch eingeschätzt. "Wenn sie von Erschöpfung berichten, denkt der Arzt an die Wechseljahre, oder sie selbst führen ihren Zustand auf das Alter zurück", sagt Randerath.

 

 

 

 

 

Auch Monika P. vermutete erst, dass die hormonelle Umstellung für ihren Zustand verantwortlich sei. Eine Nacht im Schlaflabor brachte aber schnell Klarheit. So zufrieden die Münchnerin nun mit ihrem Schrittmacher ist – einen Wermutstropfen gibt es doch. Sie schnarcht weiterhin. "Manchmal bleiben die Geräusche", bestätigt Heiser. Die Nacht ist dann zwar nicht stiller, aber trotzdem erholsamer.

 

 

 

 

 

 

 

Tipps gegen das Schnarchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnarchen verhindern

Alkohol am Abend entspannt die Rachenmuskeln und verstärkt
dadurch Schnarchen. Also besser darauf verzichten.

Viele Betroffene schnarchen vor allem auf dem Rücken. Um sie von dieser Schlafstellung abzuhalten, gibt es erfolgreichere Systeme als genervte Bettpartner: Brustgurte mit Sensoren, die in Rückenlage vibrieren; Westen mit Schaumstoff- Paketen am Rücken; Anti-Schnarch-Apps, die Signale zum Auf-die-Seite-Legen abgeben. Auch hilfreich: das Kopfteil des Betts erhöhen.

Wer leichte Schlaf-Apnoe hat (weniger als 15 Atemaussetzer pro Stunde), kann unterschiedliche Nasen-Stents probieren. Ein dünner Schlauch wird durch die Nase in den Gaumenbereich geführt und ­verhindert mechanisch den Verschluss des Rachens. Das Einsetzen kostet Überwindung. Doch wer es schafft, kann damit Atemaussetzer verhindern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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